Eine Flasche Wasser steht auf einem Tisch und herum wächst Moos
30. März 2026 | Simone Balser | Online-Recht

Greenwashing-Gesetz: Was die EmpCo-Richtlinie für Deinen Onlineshop bedeutet

Greenwashing hat im E-Commerce lange gut funktioniert. Ein grünes Icon hier, ein „nachhaltig“ dort, vielleicht noch „klimaneutraler Versand“ im Checkout, fertig ist die gute Story und die Verbrauchertäuschung. Denn nicht überall wo Nachhaltigkeit oder Umweltfreundlichkeit draufsteht ist das auch drin. Genau damit ist mit dem Greenwashing-Gesetz ab Herbst 2026 Schluss.

Mit der EmpCo-Richtlinie macht die EU klar: Nachhaltigkeit darf nicht mehr erlogen werden, sondern muss echt sein. Was Du behauptest, musst Du ab dem 27. September 2026 belegen. Und zwar so, dass es auch jeder von außen nachvollziehen kann.

Damit Du nicht erst kurz vor knapp reagierst, bekommst Du hier direkt den wichtigsten Teil: eine klare, umsetzbare Checkliste, mit der Du Deinen Shop jetzt schon auf die neuen Anforderungen vorbereitest.

Greenwashing-Gesetz: Was die EmpCo-Richtlinie ist

Die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 ist eine Erweiterung der bestehenden Verbraucherschutzregeln. Unternehmen durften schon vorher nicht irreführend werben. Neu ist, dass Nachhaltigkeit jetzt deutlich strenger reguliert wird. Ab dem 27. September 2026 gelten EU-weit klare Anforderungen für Umwelt- und Nachhaltigkeits-Aussagen im B2C-Bereich.

Das Ziel ist simpel: Verbraucherinnen und Verbraucher sollen verstehen können, was hinter einem Claim steckt, und nicht mehr auf gut klingende, aber inhaltsleere Versprechen hereinfallen.

Für Dich im E-Commerce bedeutet das vor allem eins: Du bewegst Dich mit Deinen Inhalten in einem rechtlich sensiblen Bereich. Aussagen wie „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ sind nicht grundsätzlich verboten. Sie sind nur nicht mehr frei verwendbar. Du darfst sie nur noch nutzen, wenn es wirklich stimmt und klar ist, worauf sie sich beziehen, und das musst Du belegen.

Was jetzt wirklich zählt: Die wichtigsten Veränderungen des Greenwashing-Gesetz im Kern

Die EmpCo-Richtlinie bringt viele Details mit sich. Aber wenn man es runterbricht, geht es um drei zentrale Dinge, die Du verstehen musst.

1. Vage Claims sind raus

Begriffe wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „grün“ sind künftig nur noch erlaubt, wenn die Aussagen wirklich zutreffen. Ein pauschales „nachhaltiges Produkt“ reicht nicht mehr.
Du musst konkret sagen, warum es nachhaltiger ist und worauf sich diese Aussage bezieht.

Beispiel (zulässige Aussage): „Dieses T-Shirt besteht zu 80 % aus recycelter Baumwolle (bezogen auf das Gesamtgewicht des Materials) und wird in einem Betrieb hergestellt, der nach GOTS zertifiziert ist. Dadurch sinkt der Anteil neu angebauter Baumwolle im Produkt. Die Aussage bezieht sich nur auf Material und Produktionsstandard, nicht auf Transport oder Verpackung.“

2. „Klimaneutral“ funktioniert nicht mehr

Viele Firmen haben bisher gesagt: „Wir sind klimaneutral.“ Oft meinten sie damit: Sie zahlen Geld, damit woanders CO₂ eingespart wird. Das wird jetzt schwierig. Die neue Regel sagt: Aussagen, die vorwiegend auf solchen Ausgleichszahlungen beruhen, sind nicht mehr erlaubt. Das gilt auch, wenn man es extra erklärt.

Wenn Du über Klima sprichst, musst Du beweisen, wie Du Emissionen wirklich senkst. Und Du musst klar sagen, was genau Du tust.

Beispiel (zulässige Aussage): „Wir haben unsere Emissionen seit 2022 um 28 % gesenkt, weil wir auf Ökostrom umgestellt und Dienstreisen reduziert haben.”

3. Daten werden wichtiger als Marketing

Vieles ändert sich zusätzlich im Hintergrund. Denn viele Shops brauchen jetzt Infos, die sie bisher nicht gut gesammelt haben:

  • Wie lange bekommt ein digitales Produkt Updates?
  • Kann man das Produkt reparieren?
  • Gibt es Ersatzteile?
  • Welche Siegel und Zertifikate gibt es?

Diese Infos sind nicht mehr freiwillig. Sie sind Pflicht und Kundinnen und Kunden müssen sie schon vor dem Kauf sehen. Darum werden gut gepflegte Produktdaten, klare Abläufe und die Zusammenarbeit mit Herstellern sehr wichtig.

Beispiel (so könnte es direkt auf der Produktseite stehen):

  • Software-Updates: Sicherheitsupdates bis 03/2029, Funktionsupdates bis 03/2028
  • Reparierbarkeit: Akku und Display austauschbar, Reparatur über Partnerwerkstätten möglich
  • Ersatzteile: Akku, Display, Ladebuchse verfügbar für mindestens 7 Jahre ab Verkaufsstart
  • Siegel/Zertifikate: Blauer Engel (DE-UZ 219), TCO Certified (gültig bis 2027)

Lies dazu auch unseren Beitrag “2025: Neue Anforderungen & Kennzeichnungspflichten für Elektroartikel“.

So gehst Du jetzt vor: Die Greenwashing-Gesetz-Checkliste für Deinen Shop

Wenn Du das Thema richtig machen willst, brauchst Du einen klaren Plan. Dafür haben wir Dir hier eine Checkliste zusammengestellt:

1. Mach eine Claim-Inventur

Suche alle Stellen, wo Du über Nachhaltigkeit schreibst: zum Beispiel auf Produktseiten, in Kategorien, Filtern, Newslettern, Anzeigen und auf Marktplätzen.

2. Definiere eine Stopp-Liste

Lege fest, welche Wörter Du erst mal nicht mehr nutzt: zum Beispiel „nachhaltig“, „grün“ oder „klimaneutral“.

3. Prüfe Deine Aussagen auf Belegbarkeit

Für jede Aussage brauchst Du Beweise. Frage Dich: Woher kommen die Daten? Kann man sie nachprüfen? Sind sie aktuell?

4. Räume bei Labels und Badges auf

Viele Shops nutzen eigene Icons ohne klare Regeln. Wenn ein Label keine klaren Kriterien hat und niemand es unabhängig prüfen kann, solltest Du es entfernen oder ersetzen.

5. Baue ein Beleg-System auf

Speichere zu jeder Aussage die Infos: zum Beispiel Quelle, Methode, Zeitraum und wer verantwortlich ist. Das hilft, wenn es Ärger oder Abmahnungen gibt.

6. Erweitere Deine Produktdaten

Du brauchst neue Informationen im System, etwa zu Reparierbarkeit, Update-Zeiträumen oder Ersatzteilen. Ohne diese Daten kannst Du die Anforderungen nicht erfüllen.

7. Integriere Pflichtinfos sichtbar im Shop

Diese Informationen müssen dort stehen, wo Kaufentscheidungen getroffen werden. Also auf der Produktseite und gegebenenfalls im Checkout.

8. Schreibe Deine Inhalte neu

Erst wenn die Daten stimmen, gehst Du an die Texte. Dann ersetzt Du alle vagen Aussagen zur Umweltfreundlichkeit durch konkrete, überprüfbare Informationen.

9. Synchronisiere Marketing und Shop

Was Du in Ads oder Newslettern sagst, muss exakt zu Deinem Shop passen.  Unterschiedliche Aussagen sind rechtlich problematisch. Passe auch hier Deine Texte an.

10. Prüfe Deine Marktplatz-Listings

Gerade auf Plattformen wie Amazon hast Du wenig Platz für Erklärungen. Deshalb solltest Du hier besonders vorsichtig mit Claims umgehen.

11. Hol Dein Team ins Boot

Marketing, Einkauf, Kundenservice – alle müssen verstehen, was sich ändert. Sonst schleichen sich alte Formulierungen schnell wieder ein.

12. Etabliere feste Prüfprozesse

Claims und Daten müssen regelmäßig überprüft werden.

Fazit Greenwashing-Gesetz: Weniger Buzzwords, mehr Vertrauen

Die EmpCo-Richtlinie macht es für Onlineshops nicht leicht. Denn schönklingende Aussagen über Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit reichen ohne Beweise nicht mehr. Das mag vielleicht nicht jedem Shop-Betreiber gefallen, aber es hilft den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Shops mit wirklicher Nachhaltigkeit und ohne Greenwashing werden besser auffallen und ankommen

Und weil die neuen Regeln Shops dazu zwingen, sich stärker um wirkliche Nachhaltigkeit zu bemühen, hilft das am Ende uns allen und der ganzen Welt.

Wenn Du Beratung sowie Hilfe bei der Umsetzung der neuen Richtlinien benötigst, unterstützen wir Dich gern. Kontaktiere uns gerne!

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