Seit einigen Monaten wird das Thema der Betrüger-Accounts und gehackten Seller auf Amazons Marketplace heiß diskutiert. Es ist ein Problem, das augenscheinlich zunimmt. Während erst überwiegend neue Seller-Accounts angelegt und dubiose Listings erstellt worden, geraten nun immer mehr Accounts seriöser Händler ins Visier der Betrüger.

Warum werden Seller-Accounts gehackt?

In erster Linie wird versucht Phishing-Opfer zu finden. Bevor ein Kunde ein vermeintlich günstiges Produkt kauft, solle dieser den Händler via ominöser Mail-Adresse eines Freemailers kontaktieren. In der Regel erhält der Interessent dann eine ausländische Bankverbindung, wohin das Geld überwiesen werden soll. Ohne Leute, die darauf hereinfallen, würde es ein solches Geschäftsmodell nicht geben. Hier scheint das Sprichwort „Gier frisst Hirn“ gut zu funktionieren.

Wie werden Seller-Accounts gehackt?

In der Regel funktioniert dies über Phishing-Mails. Betrüger sammeln E-Mail-Adressen von Verkäufern und schicken Fake-Mails in denen „Amazon-Kunden“ Fragen zu Produkten oder Ihren Bestellungen haben. Natürlich sollte das alles schon von anderen Plattformen, wie eBay bekannt sein.

Eine weitere Möglichkeit sind unsichere Rechner. In den Foren wird oft von virenverseuchten Rechnern geschrieben, die am Hack des Seller-Accounts Schuld sein sollen. Grundsätzlich konnte für die Recherche dieses Artikels noch kein Fall verifiziert werden in dem ein Virus Schuld am Hack ist. Jedoch ist es durchaus denkbar, dass Schadsoftware, wie Keylogger oder unsichere Browser-Plugins zur Übermittlung der Account-Daten des Kontos in Amazons Seller Central führen können. Ein weiterer Faktor sind unsichere Passwörter. Große Hacks und veröffentlichte Passwortlisten zeigen die Leichtsinnigkeit der Nutzer mit der Vergabe von Passwörtern (z.B. Top 100 Passwörter Adobe-Hack)

Was tun, wenn das eigene Verkäufer-Konto gehackt wurde?

Bisher kennen wir zwei Varianten gehackter Accounts. In der weniger schlimmen Variante hat der Verkäufer noch Zugriff auf das eigene Konto, in der zweiten Variante wurde ebenfalls die E-Mail-Adresse geändert.

Wenn Sie noch Zugriff auf Ihr Verkäufer-Konto haben:

  1. Loggen Sie sich ein und ändern Sie Ihr Passwort.
  2. Kontaktieren Sie Amazon über die Seller Central und beschreiben das Problem.

In der Regel nimmt Amazon Ihre Listings offline und storniert die Bestellungen bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Ebenso kann es möglich sein, dass Ihr Konto eingeschränkt ist und neue Listings temporär nicht möglich sind. Wenn dies der Fall ist, kontaktieren Sie Amazon erneut und schildern Sie, dass Sie Maßnahmen ergriffen haben, um das Konto zu schützen.

Screenshot aus Amazon Seller Central

Screenshot aus Amazon Seller Central

Wenn Sie kein Zugriff auf Ihr Verkäufer-Konto haben:

  1. Bringen Sie in Erfahrung, ob Ihre E-Mail-Adresse noch stimmt.
  2. Wenn ja, Setzen Sie das Passwort zurück.
  3. Wenn nein, A…karte! Denn so bleibt Ihnen nur der Weg Amazon über „öffentliche“ Kanäle zu kontaktieren.
  4. Versuchen Sie Amazon über alle Ihnen bekannten Möglichkeiten zu kontaktieren. Schauen Sie in Ihren Mailverlauf oder kontaktieren Sie Amazon über die öffentliche Hotline: 0800-363 84 69.

Zeit ist Geld und jede Stunde zählt. In jeder Stunde, die der Account Fake-Angebote hat, können Interessenten anrufen und sich nach den Preisen erkundigen oder direkt Bestellungen tätigen, die dann zwar von Amazon storniert werden, aber dennoch reputationsschädigend sein können.

Aufräumen nach dem Hack

Spätestens jetzt sollten sich Warenwirtschaftssysteme, wie JTL-Wawi bezahlt machen. Denn mit performanten E-Commerce-Lösungen können Backups der Listings eingespielt werden und Angebote auch ohne großen Aufwand zu Plattformen, wie Amazon und eBay hochgeladen werden.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass Amazon Verkäufe storniert, die Sie bereits ausgeliefert haben. Hier können Sie nur auf das Wohlwollen der Kunden hoffen und mit den Kunden entsprechend in Kontakt treten.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Kontaktieren Sie Amazon erneut nach dem Aufräumen und wünschen Sie die Hinterlegung eines Vermerks, dass Ihr Account gehackt wurde und negative Verkäuferbewertungen so nicht in Ihre Seller-Statistik einfließen. Denn Kunden, die Ihre so günstige Ware nicht bekommen, sind oft frustriert und bewerten dann gern negativ. Sie können zwar die Bewertungen nicht löschen lassen, jedoch müssen Sie so nicht befürchten, dass Ihr Account dauerhaft eingeschränkt wird.

Sie haben Tipps oder eigene Erfahrungen? Wir würden uns über einen Kommentar freuen.