Bewertungen auf Amazon: Rechtssicher für viele Sterne sorgen

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Visitenkarte Händlerbund mit weißer Überschrift „Bewertungen auf Amazon: Rechtssicher für viele Sterne sorgen“

Gute Bewertungen sind das A und O im E-Commerce. Sie beeinflussen das Ranking und schaffen Vertrauen. Aber: Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, Kund:innen zur Abgabe von Bewertungen zu motivieren?

Um Bewertungen bitten

Zunächst einmal kann man die Kundschaft einfach um eine Bewertung bitten. Ja, tatsächlich! Auch, wenn man hin und wieder liest, dass das verboten sei: Dem ist nicht so. Auch beim Verkauf über Amazon darf man um Bewertungen bitten.

Doch Vorsicht: Die Bitte um eine Bewertung wird rechtlich als Werbung eingestuft. Das heißt, man muss sich an der Stelle an die Regularien zur Zulässigkeit von Werbung halten.

Da beispielsweise Werbung per E-Mail in den allermeisten Fällen nur mit ausdrücklicher Einwilligung erlaubt ist, darf nur beim Vorliegen einer entsprechenden Einwilligung per Mail um eine Bewertung gebeten werden. Das Gleiche gilt übrigens für den Button „Bewertungen anfordern“ bei Amazon. Dieser darf nur verwendet werden, wenn die konkrete Käuferin oder der konkrete Käufer dem Erhalt von Werbung per Mail zugestimmt hat. Etwas entspannter ist die Lage bei postalischer Werbung: Diese darf auch ohne Einwilligung versendet werden. Damit ist es beispielsweise kein Problem, die Kundschaft durch einen Flyer, der der Bestellung beiliegt, zur Bewertung aufzufordern.

Übrigens: Amazon selbst hat die Besonderheit, dass man zwar via Paketbeilage um eine Bewertung bitten darf, allerdings muss die Bitte neutral formuliert sein. Es darf nicht um eine 5-Sterne-Bewertung gebeten werden. Auch die Abbildung von fünf Sternen ist ein Verstoß gegen die hauseigenen Vorschriften.

Bewertungen kaufen: Lieber nicht

Im Netz gibt es unzählige Angebote, die einem schnell viele Bewertungen versprechen. Das Prinzip ist fast immer das Gleiche: Produkttester:innen bekommen faktisch kostenlos ein Produkt und müssen eine Bewertung abgeben. Dabei wird oft betont, dass diese Bewertungen auch negativ sein dürfen.

Für Amazon sollte man dennoch die Finger davon lassen: Rezensionen vermitteln erst mal den Eindruck einer ehrlichen Einschätzung echter Kundschaft. Diese Einschätzung ist aber möglicherweise nicht mehr sehr ehrlich, wenn sie durch kostenlose Produkte oder gar die Bezahlung von Geld beeinflusst wird. Daher müssen Rezensionen, für die es eine Gegenleistung gab, entsprechend gekennzeichnet werden. Werden sie nicht gekennzeichnet, handelt es sich um Schleichwerbung und die kann abgemahnt werden.

Grundsätzlich dürfen gekaufte Rezensionen mit einer entsprechenden Kennzeichnung verwendet werden, aber nicht auf Amazon: Amazon selbst löscht Bewertungen, die einen entsprechenden Hinweis haben. Auch gekaufte Rezensionen, die nicht als solche gekennzeichnet werden, werden gelöscht. Im schlimmsten Fall wird sogar der Seller-Account gesperrt. Man sieht also: Man sollte kein Geld für solche Angebote ausgeben.

Was ist mit Amazon Vine?

Ein weiterer Grund, warum man es mit dem Veröffentlichen von gekauften Rezensionen auf Amazon nicht leicht hat, ist Amazon Vine. Dabei handelt es sich um das hauseigene Produkttester-Programm. Auch hier erhalten die Tester:innen kostenlose Produkte. Die Rezensionen, die so entstehen, sind entsprechend gekennzeichnet.

Auch Rabatte und Co. sind eine Gegenleistung

Bei gekauften Rezensionen muss außerdem beachtet werden, dass man bereits dann von solchen spricht, wenn irgendeine Gegenleistung versprochen wird. Es muss also nicht immer der Geldbetrag oder das kostenlose Produkt sein. Eine Gegenleistung kann auch ein Rabattcode oder eine prozentuale Erstattung sein. Rezensionen, die durch solche Motivationskniffe entstanden sind, müssen ebenfalls als gekauft gekennzeichnet werden.

Fazit: Rechtssicher zu positiven Bewertungen auf Amazon

Gute Bewertungen sind entscheidend im E-Commerce, um das Ranking zu verbessern und Vertrauen zu schaffen. Um Kund:innen rechtssicher zur Abgabe von Bewertungen zu motivieren, sollte man einige Punkte beachten:

  1. Um Bewertungen bitten: Es ist erlaubt, Kund:innen um Bewertungen zu bitten, aber diese Bitte gilt als Werbung. Daher ist sie per E-Mail nur zulässig, wenn die Kund:innen vorher ausdrücklich zugestimmt haben. Alternativ kann eine Bewertung durch Beilage eines Flyers im Paket angefordert werden, solange die Bitte neutral formuliert ist.
  2. Bewertungen kaufen: Das Kaufen von Bewertungen, sei es durch kostenlose Produkte oder Rabatte, ist riskant. Amazon löscht solche gekauften Bewertungen und kann im schlimmsten Fall den Seller-Account sperren.
  3. Amazon Vine: Nutze das offizielle Amazon Vine Programm, bei dem Produkttester:innen kostenlose Produkte erhalten und ihre Rezensionen entsprechend durch Amazon gekennzeichnet werden.

Indem man sich an diese Richtlinien hält, kann man rechtssicher positive Bewertungen generieren und das Vertrauen der Kund:innen gewinnen.

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