Kevin SchröderJTL - Tipps & Tricks, JTL-WawiKommentar schreiben

Um die wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Krise auszugleichen und den Mittelstand zu entlasten, beschloss das Kabinett am 12.06.2020 im Rahmen eines großen Konjunkturpaketes im Wert von insgesamt 130 Mrd. Euro die Senkung der Mehrwertsteuer in der Zeit zwischen dem 01.07.2020 und 31.12.2020.

Der normale Mehrwertsteuersatz wird dementsprechend von 19 % auf 16 % gesetzt. Der ermäßigte Steuersatz fällt von 7 % auf 5 %. Händler haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder Sie behalten die alten Bruttopreise oder Sie passen diese nach der Steuersenkung an.

Hier kurz die Vorteile einer Anpassung der Bruttoverkaufspreise:

  • Der Kunde kommt direkt in den Genuss von 3 % günstigeren Preisen, ohne dass bei Ihnen ein Verlust entsteht
  • Die Umstellung der Steuer mit anschließender Anpassung der Bruttoverkaufspreise ist schnell & unkompliziert erledigt

Natürlich weisen wir auch auf die Nachteile einer Anpassung der Bruttopreise hin:

  • Gegebenenfalls müssen Artikel neu etikettiert werden, falls Sie über ein Ladengeschäft verfügen
  • Sie haben evtl. nicht mehr so „schöne“ & runde Preise, weil diese stur heruntergerechnet werden

Was bedeutet das für die Nutzer der JTL-Wawi?

Händler müssen sich im Zuge dieser Steuersenkung die Frage stellen, ob sie diese Prozente an die Kunden weitergeben möchten oder lieber auf eine Bruttopreis-Anpassung verzichten. Für beide Fälle bieten wir in diesem Beitrag die konkrete Vorgehensweise.

Die Bruttopreise sollen in dem Zeitraum zwischen dem 01.07.2020 und dem 31.12.2020 angepasst werden

Wenn Sie die Preise anpassen möchten, dann müssen Sie in der JTL-Wawi lediglich innerhalb der Steuerverwaltung die jeweiligen Werte umstellen.

Schalten Sie dazu den JTL-Worker, der für den Abgleich zwischen Onlineshop und JTL-Wawi verantwortlich ist, aus. Erstellen Sie außerdem bei solch tiefgreifenden Änderungen auch bitte immer vorher ein Backup Ihrer Datenbank!

Wählen Sie in der oberen Leiste „Admin“ und klicken Sie unter „Steuern“ auf „Steuerverwaltung“.

Steuerverwaltung in JTL-Wawi aufrufen

An dieser Stelle finden Sie die Steuereinstellungen innerhalb Ihrer JTL-Wawi

In dem sich nun öffnenden Fenster haben Sie die Möglichkeit, die Steuersätze anzupassen. Dadurch ändern sich die Bruttopreise im Shop, an der Kasse und in der JTL-Wawi. Die Nettopreise bleiben allerdings unberührt.

Schalten Sie nun den Worker wieder ein, damit die neuen Grundeinstellungen auch an den Shop übertragen werden. Die neuen Aufträge kommen nun mit dem korrekten Steuersatz in der JTL-Wawi an. Idealerweise passen Sie das Ganze direkt am 30.06.2020 abends bzw. nachts an, damit die Aufträge am nächsten Tag mit dem korrekten Steuersatz in die JTL-Wawi kommen.

Wichtig: Wenn Sie die Lieferanten und die EK-Preise in Ihrer JTL-Wawi pflegen, müssen Sie jeweils die „Umsatzsteuer in %“ bei den Lieferantenartikeln mit angleichen! Exportieren Sie sich dazu mit der JTL-Ameise unter „Lieferantenartikel“ die Artikelnummer bzw. den internen Schlüssel und die „USt. in %“. In einem Tabellenkalkulationsprogramm wie z. B. Excel können Sie die jeweiligen Werte dann durch „Suchen & Ersetzen“ anpassen und dann wieder reimportieren.

Die Bruttopreise sollen in dem Zeitraum zwischen dem 01.07.2020 und dem 31.12.2020 nicht angepasst werden

Gerade Händler, die ein Ladengeschäft besitzen, wissen, wie umständlich es sein kann, die gesamte Ware neu zu etikettieren. Da es momentan so aussieht, als würde die Steuersenkung nur ein halbes Jahr gelten, sehen sich viele Händler nun einem Aufwand entgegengestellt, der sich für eine so kurze Zeit nicht amortisiert. Aus diesem Grund möchten diese Händler die Mehrwertsteuersenkung nicht dazu nutzen, ihre Brutto-Preise in der JTL-Wawi, im Onlineshop oder im Ladengeschäft anzupassen.

Um die aktuellen Bruttopreise zu behalten, sollten Sie wie folgt vorgehen. Exportieren Sie sich mit der JTL-Ameise die aktuellen Bruttopreise. Das machen Sie, indem Sie in der JTL-Wawi auf „Start“ > „JTL-Ameise“ gehen und die Exportfunktion der JTL-Ameise anwählen. Wählen Sie links im Bereich „Export von“ unter der Gruppe „Artikel“ den Bereich „Artikeldaten“ aus. Nun fügen Sie im Bereich „Feld in Datenbank“ den internen Schlüssel und die Artikelnummer durch Doppelklick auf die entsprechende Fläche hinzu und exportieren sich Ihre Preise. Denken Sie insbesondere an relevante Staffel- & Sonderpreise!

Die Exportfunktion der JTL-Ameise bietet Ihnen alle Funktionen, die Sie zum Export Ihrer Preise benötigen

Stellen Sie nun die Steuereinstellungen so wie im vorigen Absatz um. Importieren Sie die Artikelpreise einfach wieder mit der JTL-Ameise. Das genaue Vorgehen wird auch in diesem Video von JTL nochmal erklärt:

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Wie stellen Sie sicher, dass die Aufträge zum richtigen Datum mit dem richtigen Mehrwertsteuersatz in JTL-Wawi ankommen?

Lassen Sie sich über einen Workflow darüber informieren, wenn die Erstellung eines Auftrags nach dem 01.07.2020 in der JTL-Wawi stattfindet, die Stammdaten aber vor dem 30.06.2020 im Shop eingegeben wurden! Im Video wird detailliert erklärt, wie Sie diese Einstellungen vornehmen. Erstellen Sie dazu einen Workflow mit dem auslösenden Ereignis „Auftrag erstellt“. Dort lassen Sie sich dann entsprechend per E-Mail mit der Auftragsnummer informieren, sollte dieser Fall eintreten. Diese Aufträge prüfen Sie händisch gegen und passen dann ggf. den Steuersatz korrekt an, bevor Sie die Rechnung erstellen.

JTL-Workflows anlegen im Bereich

So legen Sie den JTL-Workflow im Bereich „Auftrag erstellt“ an

Wie genau gehen Sie am besten vor?

Am besten, einfachsten und unkompliziertesten ist es selbstverständlich, wenn Sie Ihren Steuersatz einfach direkt um 00:00 Uhr anpassen und dann ggf. den VK-Brutto Ihrer Artikel anpassen oder die Senkung der Mehrwertsteuer an Ihre Kunden weitergeben. Richten Sie sich den Workflow ein, der Aufträge zurückhält und prüfen Sie die Aufträge, über welche Sie per E-Mail benachrichtigt werden.

Falls Sie weitere ungeklärte Fragen haben, können Sie uns selbstverständlich kontaktieren oder auch in den entsprechenden Thread im JTL-Forum schauen. Hier treffen viele Händler aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen und stellen Fragen bzw. diskutieren direkte Lösungsansätze.

 

Quelle Vorschaubild: Shutterstock/Africa Studio

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